Vom Fischer un sin Fru

Es gibt verschiedene Versionen des Märchens „Vom Fischer und seiner Frau“. Nach mündlichen Überlieferungen  wurde dieses Märchen im Jahr 1806 von dem Maler und Dichter Philipp Otto Runge erstmals in vorpommerischer Mundart aufgeschrieben. 1812 veröffentlichten die Gebrüder Grimm in ihrer Sammlung  der Kinder- und Hausmärchen Runges erste Fassung mit dem Titel „Von den Fischer und siine Frau“. Das Märchen beschreibt die Habgier einer Fischersfrau, die zu Beginn mit ihrem Mann in einem „Pissputt“ am Meer lebt. Ob dieser „Pissputt“ nun eine armselige Hütte oder ein gestrandetes Schiff ist, wie es in der Erzählung von Renate Raecke, illustriert von Jonas Lauströer, dargestellt wird, bleibt der künstlerischen Interpretation vorbehalten. Eines Tages angelt der Fischer im Meer einen Fisch, der als verwunschener Prinz um sein Leben bittet; der Fischer lässt ihn wieder frei. Als Ilsebill, die Frau des Fischers, das hört, fragt sie ihn, ob er sich denn im Tausch gegen die Freiheit des Fisches nichts von ihm gewünscht habe. Sie drängt ihren Mann, den Fisch erneut zu rufen, um sich einen Wunsch erfüllen zu lassen. Als ihr Wunsch jedoch erfüllt wird, ist sie damit nicht mehr zufrieden. Erneut verlangt sie von ihrem Mann, den Fisch abermals an Land zu rufen und einen größeren Wunsch vorzutragen. Der plattdeutsche Refrain des Fischers an den Butt lautet jedes Mal:

 „Manntje, Manntje, Timpe Te,

Buttje, Buttje inne See,

myne Fru de Ilsebill

will nich so, as ik wol will.“ 

Der Fischer teilt die Wünsche seiner Frau nicht, beugt sich aber trotz wachsender Angst ihrem Willen. Je maßloser Ilsebills Wünsche werden, desto mehr verschlechtert sich das Wetter. Die See wird erst grün, dann blauviolett, dann schwarz, und immer heftiger wird der Sturm. Nach einem schönen Haus verlangt sie ein Schloss. Als sie auch damit nicht zufrieden ist, möchte sie König, Kaiser und schließlich Papst werden. Alle diese Wünsche werden vom Fisch erfüllt und angekündigt mit der Formel: „Geh nur hin, sie ist es schon.“

Als Ilsebill schließlich fordert, wie der liebe Gott zu werden, sitzt sie wieder in ihrem „Pissputt“.

 „Ga man hen. Se sitt all weder in’n Pissputt.“, lauten die letzten Worte des Zauberfisches. „Da sitzen sie noch heut und diesen Tag.“

Was gehört zur Glückseligkeit eines gelungen Lebens? Geht es einzig um Lust und Freude im menschlichen Dasein?

 

„Wem genug zu wenig ist, dem ist nichts genug!“, so lautet ein Zitat vom griechischen Philosophen Epikur.

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